Gedanken zu aktuellen Situation:

Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.

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 In diesen Tagen ist alles anders. Denn es ist ernst.

Den Fachleuten zufolge bleiben uns nur wenige Wochen Zeit, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Das ist lebenswichtig, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.  Damit uns erspart bleibt, worunter Menschen in Norditalien leiden: Ein Arzt offenbarte, was in ihm vorgeht, wenn ein neuer betagter Infizierter mit Lungenbeschwerden auf die Station kommt. Er sagte, er dächte: „Du bist der nächste Tote. Wir können dir nicht helfen.“

Wenn wir das hören, fühlen wir Angst in uns aufsteigen. Eine Angst, die uns lähmen kann und uns  ganz auf uns selbst zurückzuwerfen droht. Mir kommen die Jünger in den Sinn,die im Boot auf dem See Genezareth hin- und hergeworfen werden und Angst vor den über sie hereinbrechenden Wellen haben. Den Jüngern wird etwas leichter ums Herz, als sie es schaffen, ihren Blick von sich selbst ein Stück wegzulenken und auf Jesus zu sehen. Wir sind gerade in der Gefahr, nur auf uns selbst zu schauen. Zu schauen auf das, was wir missen müssen. Was nicht geht. Was auf uns hereinzubrechen droht. Ein Blickwechsel kann uns ein stückweit heraushelfen. Die Not erfordert, vom Andern her zu denken und danach zu handeln und zu leben.

 Auf manches müssen wir verzichten. Auch als Kirchengemeinde. Die Versammlungen fallen aus. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Der andere, der für mich bedeutendere Teil der Wahrheit lautet: Der Verzicht ist Fürsorge, ist gelebter christlicher Glaube. Wir können vielleicht weniger Gottes Wort miteinander hören im Moment.  In allem Verzicht leben wir aber Gottes Wort umso mehr. Vom Andern her denken ist dabei nicht weniger als der Kern von Jesu Passion. Vom Andern her zu denken und zu leben und zu tun, was die Not wendet. Auch wenn es noch so ausgefallen ist.

Die Passionsgottesdienste fallen aus.  Umso stärker können wir die Passionszeit leben. Ich halte mich zurück in meinen Kontakten.  Aus Verantwortung für das Leben anderer kommen wir im Moment nicht als Gemeinde zusammen.  Ich wasche meine Hände nicht nur für mich selbst. Ich tue das auch für die anderen, für die Alten, die Kranken.  Jemand hat es ausgerechnet: Die Wahrscheinlichkeit, an Covid_19 zu sterben, ist 50 Mal höher, wenn man über 70 Jahre alt ist, als wenn man unter 40 Jahre alt ist. Und ich tue es für alle, die in Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen schon über alle Maßen belastet sind. Ich bereite ihnen nicht noch mehr Not. Ich bete für sie.

Wir verzichten, um  gefährdetes  Leben zu erhalten  und eine Gesellschaft zu gewinnen, die vom Du her denkt und lebt. So wie Jesus Christus vom Du her denkt und lebt. Und ganz neues  Leben eröffnet.

Friedhelm Schrader

Bildquelle: Andre S.

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