Advent: keine Idylle

           

            „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“, sangen wir als Kinder. Unsere Jahreszeit, der Advent, erinnert an einen, der anderes singt: Johannes der Täufer. Sein Lied entspricht dem, was der Liederdichter Paul Gerhard 1653 dichtet: „Er kommt zum Weltgerichte: zum Fluch dem, der ihm flucht“ (EG 11, Strophe 10).                                                                                                                                                     

Johannes verhilft mir zu verstehen: Gott wirft doch nicht die Richterkleider beiseite und schlüpft in den Mantel eines Weihnachtsmannes! Gott tauscht nicht den Richtertisch mit einem Gabentisch und fragt dort: „Wart ihr auch lieb?“! Gottes Gericht fällt nicht untern Tisch. Gottes Tacheles-Reden fällt nicht aus. Was nicht gut ist, stellt er klar. Was ihm nicht entspricht, entlarvt er. Die Mächte, die sich ihm widersetzen, nennt er. Und: er überwindet sie. Seine Kraft ist stärker als jede nur erdenkliche Not unseres Lebens. Sein Reich, seine Herrschaft, ist im Kommen. Darum ist jetzt Vorbereitungszeit. Darum heißt es jetzt: sich einstellen auf Gottes Kommen. Leben im Advent. Aber diese Zeit ist keine süße, feierliche Stimmung, keine Idylle. Diese Zeit ist keine Zeit, um uns unsere Lage schön zu reden. Diese Zeit ist keine Zeit, um unsere falschen Wege zu verharmlosen. Die Zeit ist Zeit, um sich darauf zu konzentrieren, die Lebzeit anders – von Gott her – zu gestalten.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 

So erwartet Johannes, dass der Welt mit Jesu Kommen das Hören und Sehen vergeht - und deswegen warnt und mahnt Johannes der Täufer eindringlich: „Es ist die Axt den Bäumen an die Wurzel gelegt“, aber er rechnet nicht damit, dass Jesus zunächst der Welt das Hören und Sehen schenkt. Jesus kommt alles andere als „gewaltig“: Er wird in einen Stall geboren, erlernt einen Beruf für eine Arbeit „auf dem Bau“ und zieht als Wanderprediger durch das Land - und wird gefangen genommen, ausgepeitscht, angespuckt und an ein Kreuz genagelt und stirbt den Verbrechertod.

Dort stirbt er, damit die Welt eine Chance hat im Gericht. Damit gilt: „Er kommt zum Weltgericht: zum Fluch dem, der ihm flucht, mit Gnad und süßem Lichte dem, der ihn liebt und sucht“. Wir werden im Gericht nur bestehen, wenn Jesus sich auf unsere Seite stellt. Wir werden nur durchs Gericht kommen, wenn Jesus zu uns sagt: „Diese müssen auch durch, weil sie sich an mich gehängt haben. Diese müssen auch beschenkt werden, weil sie ihr gesamtes Leben in meine Macht gelegt haben. Diese müssen auch in neuen Verhältnissen leben, weil ich ihre verkorkste Vergangenheit geheilt habe.“ Unsere Lebensbäume bleiben nur am Leben, nicht wenn wir so gute Früchte der Güteklasse A liefern, sondern wenn Jesus für uns eintritt und den Schwung der Axt aufhält und abwehrt.

Einmal wird das sichtbar werden, aber bis zu diesem endgültigen Advent Jesu haben wir wegen Jesus die Gelegenheit, uns darauf einzustellen und vorzubereiten: reinen Tisch machen mit  unserer Schuld, einen Schlussstrich ziehen unter böse, ungute Geschichten und einen neuen Anfang wagen in unserem Leben und in unseren Lebensbereichen. Denn Jesus ist die Kraftquelle, um das vielfach schwierige Leben zu meistern.                   

 

Edzard van der Laan

 

Die Losung des Tages:

Anmeldung

JSN Gruve is designed by JoomlaShine.com