Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen.

Römer 5,1+2a

Angenommen, jemand fragt: „Könntest du mir ein bisschen helfen, vielleicht irgendwann mal heute?“ Und stellen wir uns folgende Antwort vor: „Würde ich eigentlich irgendwie schon gerne tun, schauen wir mal!“ Ganz schön viel Unkonkretes, viel Unsicherheit, viel Angst, viele Vorbehalte. Das alles ist verborgen in den zwei Sätzen. Viel besser klingt doch: „Kannst du mir nachher, nach dem Kaffee, helfen?“ Und als Antwort: „Klar, logisch, gerne.“

In seinem Brief an die Christen in Rom spricht Paulus in Kapitel 5 eine klare Sprache: „Wir sind gerecht geworden vor Gott; wir haben Frieden mit Gott; wir haben Zugang zu seiner Gnade.“ Keine überflüssigen Wörter, keine ungenauen, vagen Angaben, keine Möglichkeits-Zeitform, nichts an Einschränkungen. „Gott sei wirklich Dank, dass es so ist“, kann man da sagen. 

Eine Einschränkung gibt es allerdings: in manchen Abschriften des Originaltextes. Bis Johannes Gutenberg den Buchdruck erfand, wurde abgeschrieben: von Hand. Sehr genau wurde abgeschrieben. Sehr sorgfältig schaute man hin. Und sehr sorgfältig diktierte ein Vorleser, und fünf oder zehn oder mehr Mönche hörten genau hin – und schrieben sorgfältig mit. So wurden aus einem handschriftlichen Bibeltext fünf oder zehn oder gar mehr. Alle neu geschriebenen Texte sollten ihre Vorlage exakt wiedergeben. Das machte sie enorm wertvoll! 

Aber sehr selten kam es doch zu Fehlern. Wie hier in Römer 5, Vers1. Beim Abschreiben des griechischen Urtextes wurde ein Buchstabe verändert: Aus einem kurzen „o“ in einem Wort wurde ein langes „oh“. Doch das macht den Unterschied. Durch das lange „oh“ heißt es nicht mehr: „Wir haben Frieden mit Gott“, sondern „wir können Frieden mit Gott haben“ oder auch „wir können Frieden mit Gott machen“. So wird aus einer Wirklichkeit eine Möglichkeit. So wird etwas für alle, die den Bibeltext lesen, zu einer Aufgabe. Sie sollen die Möglichkeit zu ihrer Wirklichkeit machen. Nur eine kleine, unbedeutende Sache? Nein, ein großer Unterschied. Denn das, was Gott tut, macht der Unterschied kleiner. Gottes rettendes Handeln für uns schmälert er, und den Rest, der fehlt, lastet der Unterschied uns Menschen auf. Was uns vom heiligen Gott trennt, können wir nicht wegräumen – auch keine Reste, die noch trennen. Das überfordert uns. Unser Leben nach den Regeln des Himmelreiches zu gestalten, erfordert schon genug Einsatz, Hingabe und Kraft. Heilen und befrieden müssen wir unser Leben aber nicht: Das tut der Höchste. Den Weg zu sich räumt er selbst frei. Restlos!

Deswegen hören wir am Karfreitag am Kreuz auf Golgatha Jesus nicht sagen: „Meinen Teil habe ich getan – erledigt ihr den Rest!“ Sondern Jesus sagt: „Es ist vollbracht!“ Der Weg ist frei, der Weg zu Gott. Für uns, für die Welt, für jeden und jede.

Die Bibel sorgfältig zu lesen lohnt sich also. Satz für Satz. Wort für Wort. Buchstabe für Buchstabe. In Römer 5,1 kommt es entscheidend auf das kurze „o“ an. Wir haben durch Jesus Frieden mit Gott! Daran klammert sich Paulus. Daran hält er sich. Es ist der geistliche Grund seines Lebens! Dass wir in Jesus den Höchsten sehen, wie er ist: einer, der seine heilende Kraft verschenkt an Kranke und Ausgestoßene; einer, der Verirrte auf den richtigen Weg leitet; einer, der sich in die Tiefen des Lebens begibt; einer, der sich berühren lässt; einer, der selbst Gewalt und Tod erleidet; einer, der selbst keine andre Macht kennt als die der Menschlichkeit, die sich für andre hingibt. Das ist Gottes Allmacht der Liebe.

In ihr sehnt sich Gott nach unserer Antwort. Nach unserer Anerkennung seiner Liebe. Auf unser Vertrauen auf seine Liebe. Vertrauen wir Jesus! Bauen wir darauf, dass er alles klar gemacht hat! Setzen wir darauf, dass wir durch Jesus die Zuneigung Gottes nicht verdienen brauchen, sondern geschenkt bekommen! Und wenn unsere Beine noch so wackelig, unsere Glaubens-Schritte noch so schwankend, unsere Blicke auf Jesus noch so unsicher sind, unser Wenden an Jesus noch so zaghaft ist: Er freut sich über uns. Ihm sind wir recht. Er hilft uns, auch wenn wir zugeben: “Manchmal kann ich es kaum glauben, dass du, Herr, meinem Leben Frieden schenkst; dass ich deine Zuneigung nicht verdienen muss; dass du dich freust über mich und meinen Dank, obwohl der dir gegenüber gar nicht ausreicht. Erfülle mich – und deine Menschen – neu mit deiner Gnade und deinem Frieden und lass deine Liebe auch durch mich – und ebenso durch andere – ausstrahlen.“

 

Edzard van der Laan

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